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Lichte Gedichte

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Musik-CDs tauschen! - Ein Musikalbum geschenkt bei Anmeldung
                   
Zartbitter



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Anmeldungsdatum: 20.06.2006
Beiträge: 4534

BeitragVerfasst am: 23.01.2007, 14:40    Titel: Antworten mit Zitat

Amara

Amara, bittre, was du thust ist bitter,
Wie du die Füße rührst, die Arme lenkest,
Wie du die Augen hebst, wie du sie senkest,
Die Lippen aufthust oder zu, ist's bitter.
Ein jeder Gruß ist, den du schenkest, bitter,
Bitter ein jeder Kuß, den du nicht schenkest,
Bitter ist, was du sprichst und was du denkest,
Und was du hast, und was du bist, ist bitter.
Voraus kommt eine Bitterkeit gegangen,
Zwo Bitterkeiten gehn dir zu den Seiten,
Und eine folgt den Spuren deiner Füße.
O du mit Bitterkeiten rings umfangen,
Wer dächte, daß mit all den Bitterkeiten
Du doch mir bist im innern Kern so süße.

Friedrich Rückert




Amara (Pidgin)

Amara, du nix gut, du nix gut machen,
mit dein Fuß du nix gut gehn, Hände nix gut,
du mich anschauen nix gut, du wegschauen nix gut,
du mir was sagen nix gut, nix sagen nix gut,
Du ciao sagen, wenn kommen, nix gut,
ich nix Kuß kriegen, nix gut,
nix gut was du sagen, du nix gut denken,
du nix gut haben, du nix gut.
Wenn du kommen, ich wissen, nix gut,
du da sein, links nix gut, rechts nix gut,
wenn du abhauen, ich nix gut.
Du vorn und hinten nix gut.
Ich nix wissen warum alles nix gut,
aber ich denken an nix wie Amara, Amara gut.

Hans Magnus Enzensberger
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Zartbitter



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Anmeldungsdatum: 20.06.2006
Beiträge: 4534

BeitragVerfasst am: 31.01.2007, 00:08    Titel: Antworten mit Zitat

Zartbitter hat Folgendes geschrieben:
(...)
und legte dann
seinen Pfot
in ihre Hände. -
Da hatte die Not der zwei
ein
ENDE.








_________________
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Zartbitter



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Anmeldungsdatum: 20.06.2006
Beiträge: 4534

BeitragVerfasst am: 05.02.2007, 15:33    Titel: Antworten mit Zitat

Meine Neugier

Meine Neugier, die ausgewanderte, ist zurückgekehrt.
Mit blanken Augen spaziert sie wieder
Auf der Seite des Lebens.
Salve, sagt sie, freundliches Schiefgesicht,
Zweijährige Stimme, unschuldig wie ein Veilchen,
Grünohren, Wangen wie Fischhaut, Tausendschön
Alles begrüßt sie, das Hässliche und das Schöne.

Gerade als hätte ich nicht schon längst genug,
Holt sie mir meinen Teil, meinen Löwenanteil,
An dem, was geschieht, aus Häusern,
die mich nichts angehen.
Ein Ohr soll ich haben für jeden Untergang
Und Augen für jede Gewalttat.

Die schönste Abendröte kommt dagegen nicht auf,
Die zartesten Gräser sind machtlos.
Wie sehne ich mich nach der Zeit, als sie nichts zu
Bestimmen hatte,
Als ich hintrieb ruhig im Kielwasser des Todes.
In den milchigen Strudeln der Träume.

Vergeblich jag ich sie fort, meine Peinigerin.
Da ist sie wieder, trottet und hüpft,
Streift mich mit ihrem Hündinnenatem.

Vergeblich beklage ich mich.
Was für ein schreckliches Lärmen,
Was für ein Gelauf und Geläute,
Was für eine Stimme, die aus mir selber kommt,
Spottdrosselstimme, und sagt,
Was willst du, du lebst.


Marie Luise Kaschnitz
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Zartbitter



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Anmeldungsdatum: 20.06.2006
Beiträge: 4534

BeitragVerfasst am: 05.03.2007, 21:21    Titel: Antworten mit Zitat

Lebendig ist, wer wach bleibt,
sich dem anderen schenkt,
das Bessere hingibt,
niemals rechnet.

Lebendig ist, wer das Leben liebt,
seine Begräbnisse, seine Feste,
wer Märchen und Mythen
auf den ödesten Bergen findet.

Lebendig ist, wer das Licht erwartet
In den Tagen des schwarzen Sturms,
wer sich dem Herbst zuwendet
und nicht aufhört zu lieben.

Luigi Nono - Intolleranza
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Zartbitter



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Anmeldungsdatum: 20.06.2006
Beiträge: 4534

BeitragVerfasst am: 01.06.2007, 18:05    Titel: Antworten mit Zitat

Trost

Unsterblich duften die Linden -
was bangst du nur?
Du wirst vergehn, und Deiner Füße Spur
wird bald kein Auge mehr im Staube finden.
Doch blau und leuchtend wird der Sommer stehn
und wird mit seinem süßen Atemwehn
gelind die arme Menschenbrust entbinden.
Wo kommst du her? Wie lang bist Du noch hier?
Was liegt an Dir?
Unsterblich duften die Linden. -

Ina Seidel






Juni in Berlin

Lieber Gott, die Linden blühn!
Lieber Gott, was hab' ich getan,
dass ich in Mauern wohnen muss?
Draußen im Land deine Bäume sind grün,
hier hängt alles voll Ruß.

Ich kaufte mir eine Rose um Geld -
Rosen sind besser als Brot.
Ich habe sie neben mein Kissen gestellt,
sie blüht und duftet sich tot.

Lieber Gott, in mein Zimmer
scheint jetzt der Mond -
ach, warum hab' ich immer,
immer in Städten gewohnt?

Ina Seidel
_________________
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Zartbitter



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Anmeldungsdatum: 20.06.2006
Beiträge: 4534

BeitragVerfasst am: 24.07.2007, 19:05    Titel: Antworten mit Zitat

An meine Schildkröte (Graeca)
Sapphische Ode


Griechin bist du, panzerbewehrte Freundin,
Und mit Iphigenien ein gleiches Schicksal
Teilst du: fern der Heimat zum rauhen Norden
Trug dich Diana.

Dies ist nicht gefabelt; Dianas Bildnis
Prangt, wie stadtbekannt, auf dem Hause, wo ich
Unter deinesgleichen im vorigen Sommer
Dich mir erwählte.

Denn um Wildbret jeglicher Art besorgt ist
Heute noch die göttliche Hochbeschürzte,
Und so ward ihr Bildnis für Comestibles
Klassisches Prunkschild.

Dir nun, Kleine, die du vertraute Pfade
Meines Gartens schleppenden Gangs durchwanderst,
Kraut des Löwenzahns, das allein dir mundet,
Rupfend und kauend -,

Ach! wie oft dir hab' ich im stillen peinlich
Nachgefühlt den Kummer, wenn alle Tage
Frostig goß aus schwärzlichen Wolkenschläuchen
Klatschender Regen.

Sonnanbetend bist du gleich andern Sauriern,
Suchst Apollos strahlenden Blick und freust dich,
Wenn den Bug der wölbigen Rückenschale
Rötstet der Mittag.

Aber selten ward dir in diesem Sommer
Solche Lust. Und wäre verliehn dir Sprache,
Hättest du geflucht wie der Leiter eines
Freilichttheaters,

Dem im nassen Sumpf die 'versunkene Glocke'
Manchmal gar zu gründlich versinkt und andern
Tags Lysanders Mädchen im Regensturzbad
Hilflos ertrinken.

Ja, du arme Graeca, so ist nun leider
Dies Barbarenklima des Skythenlandes.
Doch wenn rauh die Lüfte, sind desto milder
Seine Bewohner.

Schlimme Narbe weist die Mosaik deines
Rückenpanzers, meldet von rohen Griffen,
Steinwurf, Quetschung, sonstiger Gunstbezeugung
Deiner Hellenen!

Solches nicht bedroht dich im sonnenärmern
Aber menschenwärmern Lande, wo dein
Wartet, ehe beißender Frost dich ängstigt,
Schützendes Obdach.

Bei den Blumen, Kindern gleich dir des Südens,
Die auch schlafbedürftig wie du im Winter,
Birgt dich, deren Augen sich gern nun schließen,
Sorglich dein Meister.

Nicht bedürfend Speise noch Trank dann ruhst du
Still im Winkel, alle die schlimmen Monde
Unbewußt verschlafend. Vielleicht auch träumst du
Bessere Zeiten.

Schlummre sanft! Wenn wieder die lauen Lüfte
Wehen, tust du blinzelnd die Schlangenäuglein
Auf, die schwarzen, grüßest den Frühlingshimmel
Staunend und dankbar.

Josef Victor Widmann
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Zartbitter



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Anmeldungsdatum: 20.06.2006
Beiträge: 4534

BeitragVerfasst am: 20.09.2007, 08:07    Titel: Antworten mit Zitat

Vergnügungen

Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen
Das wiedergefundene alte Buch
Begeisterte Gesichter
Schnee, der Wechsel der Jahreszeiten
Die Zeitung
Der Hund
Die Dialektik
Duschen, Schwimmen
Alte Musik
Bequeme Schuhe
Begreifen
Neue Musik
Schreiben, Pflanzen
Reisen
Singen
Freundlich sein.

Bertolt Brecht
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Zartbitter



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Anmeldungsdatum: 20.06.2006
Beiträge: 4534

BeitragVerfasst am: 14.10.2007, 02:27    Titel: Antworten mit Zitat

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.


Christian Friedrich Hebbel
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Pikul



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Anmeldungsdatum: 19.06.2006
Beiträge: 4587

BeitragVerfasst am: 14.10.2007, 07:31    Titel: Antworten mit Zitat

Zu Ende geht der Herbst

Verdrossnen Sinn im kalten Herzen hegend,
Reis ich verdrießlich durch die kalte Welt,
Zu Ende geht der Herbst, ein Nebel hält
Feuchteingehüllt die abgestorbne Gegend.

Die Winde pfeifen, hin und her bewegend
Das rote Laub, das von den Bäumen fällt,
Es seufzt der Wald, es dampft das kahle Feld,
Nun kommt das Schlimmste noch, es regent.

Heinrich Heine
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Lucky



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Anmeldungsdatum: 12.04.2007
Beiträge: 711

BeitragVerfasst am: 18.10.2007, 09:18    Titel: Antworten mit Zitat

Nun hab ich es wiedergefunden und mich nach einigem Zögern entschlossen, es hier einzustellen.
Eine gute Freundin hat diesen Text, als sie wusste, dass ihr nach langen Krankheitsjahren der Tod kurz bevorstand, für uns aufgeschrieben.
Ich weiß nicht, ob er von ihr selbst stammt oder ob sie ihn irgendwo gefunden hatte, will das auch gar nicht wissen.
Ich bin ihr dankbar für dieses Gedicht und für mich ist es wahr.




Weint nicht an meinem Grab um mich:
Ich bin nicht dort, ich schlafe nicht.

Ich bin der Windhauch über dem See,
Kristallglitzern manchmal auf Winterschnee.
Ich bin am Tag warmes Sonnenlicht,
ich bin nicht mehr hier, aber trauert nicht:

Ich bin das tiefe Himmelsblau,
der schöne, frische Morgentau.
Wenn ihr mich sucht, blickt nachts in die Ferne -
im Dunkeln bin ich das Funkeln der Sterne.

Nur scheinbar fort, bin ich euch nah,
in jeder Erinnerung doch ganz da.
Verloren nur sind jetzt all mein Schmerzen,
Nun lebe ich in euren Herzen.

Steht nicht am Grab, die Augen rot.
Ich bin nicht dort, ich bin nicht tot.
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Zartbitter



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Anmeldungsdatum: 20.06.2006
Beiträge: 4534

BeitragVerfasst am: 17.05.2008, 04:12    Titel: Antworten mit Zitat

Alter Schlaf, wo hast du deine Söhne?
Junge, starke Söhne sollst du haben,
solche Kerle, die noch mehr vermögen
als bloß kommen und die Lampe löschen.

Einer soll zu meiner Angst sich legen,
einer sich auf meine Sehnsucht knieen,
feste Fäuste müssen beide haben,
daß die Nachbarn keine Schreie hören.

Was willst du in meine Augen streuen?
Sand? - Ich lache! - eine ganze Wüste
kann ich dir für solche Augen schenken,
die damit sich schon zufrieden geben.

Meine, weißt du, sind zwei Feuersäuen,
einmal wird der Himmel davon brennen!
Aber vorher möcht ich endlich schlafen.
Alter, Alter, hast du keine Söhne?


Christine Lavant
_________________
Kieninger: fertig
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